Kiefergelenktherapie (CMD)

Nach Ansicht von Fachleuten leiden ca. 10% der Deutschen unter behandlungsbedürftigen CMD-Symptomen, weshalb die Craniomandibuläre Dysfunktion von Fachzeitschriften und der Publikumspresse häufig als neue Volkskrankheit bezeichnet wird. Insbesondere junge Menschen sind mehr denn je von einer Fehlfunktion der Zähne und Kiefergelenke betroffen.

Da sich das Krankheitsbild jedoch hinter vielfältigen Symptomen versteckt, wird der Zusammenhang mit dem Kiefergelenk meist übersehen und für viele Patienten beginnt häufig ein jahrelanger Ärztemarathon. Hierbei werden meist allerdings bei CMD-Betroffenen lediglich die auftretenden Symptome bekämpft. Medikamente gegen Kopfschmerzen, Physiotherapie bei Haltungsschäden, einfache Zahnschienen gegen Zähneknirschen – meist ohne nennenswerte Besserung.

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Mit Hilfe Kompetenznetzwerks (Zahnärzte, Kieferchirurgen, Orthopäden und weiteren Fachärzten) haben wir uns das Ziel gesetzt, die Craniomandibuläre Dysfunktion ganzheitlich zu betrachten, frühzeitig zu erkennen und interdisziplinär zu behandeln. Denn in 90% aller Fälle ist CMD gut behandelbar.

Mögliche Ursachen 

Im gesunden Zustand herrscht im menschlichen Kausystem eine „Harmonie“, die obere und untere Zahnreihe treffen gleichmäßig aufeinander, die Kaumuskulatur, die Gelenke sowie die Zähne befinden in einem harmonischen Zustand. Ist dieses System gestört, kann es zu zahlreichen Beschwerdebildern kommen, da eine „Disharmonie“ entsteht und die Körperstatik aus dem Gleichgewicht gerät.

Als mögliche Ursachen können angesehen werden:

Stress 

Veränderungen im Biss (bspw. durch fehlende Zähne)

Fehlhaltungen des Oberkörpers/ Kopfes

Beckenschiefstand

Unterschiedliche Beinlängen

Traumatische Veränderungen der Halswirbelsäule/ der Kiefergelenke

Schlechte Sitzhaltung

Operationen im Kopf- und Halsbereich

Diskusverlagerungen

Rückverlagerung des Unterkiefers

Mögliche CMD-Symptome 

Die möglichen Symptome, die durch eine CMD (Cranimandibuläre Dysfunktion) verursacht werden können, sind vielfältig. Umso mehr zeigt es die Wichtigkeit auf, CMD in die diagnostischen Überlegungen mit einzubeziehen, denn nur so kann das Krankheitsbild eindeutig diagnostiziert bzw. ausgeschlossen werden.

(Chronische) Kopfschmerzen

Einseitige Kopfschmerzen/ Migräneattacken

Schwindel & Gleichgewichtsstörungen

Tinnitus (Ohrgeräusche)

Knacken des Kiefergelenks

Nacken- & Schulterverspannungen

Pressen oder Knirschen der Zähne

Augenflimmern, Lichthypersensibilität

Eingeschränkte Mundöffnung

Kiefergelenkschmerzen/ Kiefergelenksarthrose

Gelenkschmerzen

Ohrenschmerzen

Hörminderung

Nackensteifigkeit

Schulter-, Rücken-, Nackenschmerzen

Zahnabrasion & Zahnabnutzung

Zahnfleischrückgang

Schluckbeschwerden

Taubheitsgefühl in Armen/ Fingern

Zahnwanderung/ Zahnlockerung

Unklaren Biss Lage der Zähne

Taubheitsgefühl im Mund (Zunge, Lippen, Zähne)

Depressive Verstimmungen

Schlaflosigkeit

Kloß im Hals

Doppeltsehen

Druck/ Schmerzen hinter den Augen

CMD-Diagnostik 

Das Zusammenspiel von fünf Muskelpaaren, dem linken und dem rechten Kiefergelenk und einem komplexen Band- und Gelenkkapselapparat sind wir in der Lage, unseren Mund zu öffnen und den Unterkiefer zu bewegen. Ist das Kausystem gestört entsteht eine „Disharmonie“ und es kann zu Schmerzen in der Kaumuskulatur und im Kiefergelenk führen. Weiterhin ist es möglich, dass die Mundöffnung eingeschränkt wird oder Knack-Geräusche im Kiefergelenk auftreten.

Eine ausführliche Anamnese, die sogenannte manuelle Funktionsanalyse, des Patienten ist die unabdingbare Basis einer jeden CMD-Diagnostik. Die CMD-Diagnose beinhaltet somit eine umfassende Untersuchung des gesamten Kausystems, der Kiefermuskulatur, der Kiefergelenke und der Zähne. Weiterhin werden mögliche Fehlstellungen des Körpers oder des Kopfes untersucht, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Hierbei tastet bzw. prüft der Physiotherapeut oder Zahnarzt diverse Positionen ab.

Meist wird die Diagnose im interdisziplinären Team vom Zahnarzt, Physiotherapeut oder anderen Fachärzten erarbeitet.

Mögliche Differentialdiagnosen:

psychosomatische Erkrankungen

Tumorerkrankungen

chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Frakturen im Kopfbereich

Migräne

Neurologische Krankheitsbilder (z.B. Multiple Sklerose)

Behandlung 

Ist die Funktionsanalyse durchgeführt, kann eine individuelle CMD-Therapie beginnen. Meist genügt ein Behandler alleine für die Therapie der CMD nicht, weshalb eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von diversen Fachärzten (Zahnärzte, Orthopäden, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Physiotherapeuten) notwendig erscheint.

So erfolgt die Behandlung immer in enger Zusammenarbeit zwischen dem überweisendem Arzt und dem Physiotherapeuten. Häufig ist die Anfertigung einer Aufbissschiene sinnvoll, die unterstützend dazu beiträgt, das Kausystem und somit die Körperstatik wieder ins Gleichgewicht zu setzen.

Die CMD-Behandlung zielt somit darauf ab, ein harmonisches Zusammenspiel der Körperstatik und des Kausystems wiederherzustellen. Je nach Art und Schweregrad der Craniomandibulären Dysfunktion sowie der mitbetroffenen Parameter können folgende Therapiemaßnahmen einzeln oder in kombiniert eingesetzt werden:

Manuelle Therapie

Separation am Kiefergelenk

Diskusrepositionierung

Mobilisation der Mundöffnung

Mobilisation der Arbeitsseite

Lateral- und Medialgleiten am Kiefergelenk

HWS-Retraktion

Haltungskorrektur, Rückenschule

weitere Therapien

Wärme- & Kältebehandlungen

Rotlicht-Bestrahlung

Entspannungsübungen

Okklussionsschiene zur Kieferrelaxation

Zahnsanierungen, kieferchirurgische und kieferorthopädische Maßnahmen

Triggerpoint-Behandlúng

Die Ziele der physiotherapeutischen Behandlung sind Spannungsabbau, Mobilisierung, Dehnung, Koordinationsschulung und Kräftigungsübungen. Weiterhin erhält der Patient individuell angepasste Eigenübungen, die regelmäßig durchgeführt werden sollten.

Um dabei ein möglichst effizientes Ergebnis zu erzielen erachten wir es als besonders wichtig, eine gute Kommunikation zu den verordnenden Ärzten und Zahnärzten zu pflegen und die Therapie nach den Gesichtspunkten aller beteiligten Fachrichtungen zu optimieren.

 

Kiefergelenktherapie ist dabei nur ein Bestandteil eines größeren und ganzheitlichen Ansatzes. Zu den angewandten Techniken in unserer Praxis für Physiotherapie Physio-Fit gehören unter anderem auch die Sensomotorische Aktivierung, die Manuelle Therapie und verschiedene spezielle Behandlungsmethoden, die wir Ihnen ebenfalls auf unserer Homepage unter Privatleistungen und Therapie erläutern. Lassen Sie uns in unserer Praxis gemeinsam den Grundstein für mehr Lebensqualität legen!